Waldbegang2Den diesjährigen Waldbegang praktizierte der Niederburger Gemeinderat am vergangenen Samstag. Gleich vier größere Themenschwerpunkte hatte man sich vorgenommen: Die Brennholzbeschaffung der kommenden Jahre und die Problematik hierzu, die Erschließung der Biotopausgleichsflächen im Bereich der Cunobrücke, den vom Jagdpächter gestalteten Äsungsverbund und die Erhaltung der Wiesen des Bucherfeldes mit der Bekämpfung der „Herbstzeitlose“,  die sich dort in den letzten Jahren über Gebühr breit machen konnte. Als Gäste konnte Ortsbürgermeister Klockner begrüßen: Förster Erhard Weide, Jagdpächter Frank Hermesmeyer mit Gattin und Vorgänger Günnewig, als Vertreter des Jagdvorstandes Holger Link und die Jagdaufseher. 

Die Brennholzwerbung, die nötigen Hiebmaßnahmen im Wald und die Haltung des Abgabepreises waren die Problemstellung, die Förster Erhard Weide zu erklären hatte. An den Flächen rund um den Rabennack erläuterte der Förster die Probleme, die der Steilhang bei Hieben bereitet. Die Eichenbestände auf dem Stockausschlag nach der Erzeugung von Lohe für Gerbereien in früheren Jahrzehnten bedürfen dringend einer Auflichtung. Der erste Versuch wurde im Steilhang vor dem Aussichtspunkt im vergangenen Jahr vorgenommen. Die wegemäßige Erschließung hatte der Förster nach Abstimmung mit der Gemeindeverwaltung vorgenommen. Für die kommenden Jahre wird der weitere Steilhang wo möglich per Forstweg erschlossen, Rückegassen und Arbeitsschneisen werden maßvoll in den Hang eingearbeitet. Dies geschieht, so erläuterte der Förster Zug um Zug um zum einen den Preis erschwinglich zu halten und den Gemeindesäckel nicht zu überfordern. Dem Förster und seinen neuen Kollegen dankte der Ortsbürgermeister besonders für die stets offene und gründliche Zusammenarbeit.
Nächster Haltepunkt war die Erschließung von Bachnebenflächen am Niederbach (Bucherbach) in der Umgebung der Cunobrücke. Die Gemeinde hat dort als Ausgleich für die Erschließung des NBG Leh 2 und weiterer Ökokontoflächen Grundstücke aufgekauft und zusammen mit eigene Flächen entfichten lassen. Hier sollen in enger Abstimmung mit der Landespflege und dem Förster vorläufig bis zu fünf Flachwasserteiche entstehen. Ebenso soll mit einer Zusatzmaßnahme eine Wasserrückhaltung bei Schlagregen ermöglicht werden. Die Schäden an den Trockenmauern am Unterlauf des Niederbachs werden mit jedem Starkregenereignis größer, private Eigentümer sind hier finanziell restlos überfordert, die Aufwendungen für die Gemeinde werden mit jeder Maßnahme zur Sicherung der Mauern größer. Die Fachleute der Landespflege und der Gewässerwirtschaft konnten von der Notwendigkeit überzeugt werden, der Antrag ist auf dem Behördenweg.

Eine weitere, größere Maßnahme ist die Schaffung von Äsungsflächen für das Wild. Ein detailreiches Gutachten im Jahr 2009 hatte eklatante Schäl- und Verbiss Schäden durch Reh- und besonders Rotwild zu Tage gefördert. Hier war dringend Abhilfe von Nöten. Mit Jagdpächter Frank Hermesmeyer konnte ein entsprechender Vertrag zur Schaffung von Ruhezonen für das Wild und Absprachen zur entsprechenden Bejagung getroffen werden. Kahlflächen, die nach großen Windwürfen entstanden waren wurden von der Gemeinde zur Verfügung gestellt und von der Jägerschaft aufgearbeitet und eingesät. Die Flächen sind landschaftlich so gelegen, dass das Wild hier ungestört aus dem Wald heraustreten und interessante Äsungsflächen findet. So können größere Schälschäden vermieden werden. Die Jägerschaft verzichtet auf den Abschuss im Wald übers Jahr bis auf die nötigsten Abschüsse, die Feld Jagd hat übers Jahr Priorität. Die Schälschäden im Wald lassen nachweisbar nach, der Wildschaden in der Feldgemarkung ist stark rückläufig und tendiert gegen Null. Die positive Wirkung dieser Verhaltensweisen von Jägern und Wild konnte der Förster schon bei seinen Waldgutachten bescheinigen. Absolut positiv bringt sich hier der Jagdpächter ein, ein Lob aber auch an die Brennholzwerber die sich an die Aufarbeitungszeiten halten und nicht zur Beunruhigung des Wildes beitragen.Waldbegang1

Immer weniger Interesse zeigen Landwirte an der Bewirtschaftung des Wiesengeländes am Bucherfeld und den Kreuzwiesen entlang des Bucherbachs. Die Herbstzeitlose, eine bei Verzehr für Mensch und Tier giftige Pflanze, hat sich über Gebühr ausgedehnt. Hier konnten die Fachleute der Kreisverwaltung als auch des Landes gewonnen werden mitzuhelfen die Pflanze mit tulpenartigem Erscheinungsbild zu bekämpfen. Zusammen wollen die Fachleute der Biotoppflege, des Umweltministeriums und des DLR eine Methode entwickeln das Gewächs ohne die chemische Keule in den Griff zu bekommen und zurück zu drängen. Großer Wert bei den Gesprächen mit den Fachleuten wurde auf eine Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Jagd gelegt. Die mehr als 7 ha große Fläche wird seit Jahren vom Jagdpächter persönlich per mulchen freigehalten. Die Entstehung des Bucherfeldes ist auf die Zeit um das 11. Jahrhundert zurück zu führen. Die Wiesen des Bucherfeldes sind Belege des bis in das 16. Jahrhundert nachgewiesenen Dorfes „Buch“ an dieser Stelle. Die Freihaltung der Wiesenflächen wird festgeschrieben, die Artenvielfallt bleibt erhalten, soll noch gesteigert werden. Das Land investiert zum Start 25.000€, bei Erfolg werden weitere Möglichkeiten der Erhaltung von Bucherfeld, Klingenseien, Kreuzwiesen und Brämezahl verfolgt und finanziell ausgestattet werden.

Der Ortsgemeinderat war nach der vielstündigen Exkursion durch den Wald und der Vielfallt der Themen zur Erhaltung des Lebensraumes „Wald“ beeindruckt. Der Ortsbürgermeister konnte allen Teilnehmern und besonders den Vortragenden für die interessanten Beitrage und ihren Einsatz für den Wald und seine Bewohner danken.

Hermann Josef Klockner, Ortsbürgermeister

Foto: Petra Bock