Niederburg Gedenktafel KircheAuszug aus der Gemeindechronik

Aus der Sammlung der Ereignisse des Dorfes für die Dorfchronik, die im nächsten Jahr erscheint, hier ein Auszug daraus zu dem verheerenden Bombenabwurf auf Niederburg vor 70 Jahren. Der Lehrer des Dorfes hat mit Eintragungen in die Schulchronik Daten und Fakten geliefert, ebenso kommen die Erzählungen unserer älteren Mitbürger besonders zur Geltung:

 

Bomben auf Niederburg

Ein schlimmer Tag für Niederburg war der 21. November 1944. Um die Mittagszeit wurde das Dorf von amerikanischen Flugzeugen angegriffen, die einen regelrechten Bombenteppich über die Gemarkung legten. In der Pfarrchronik ist von 260 Bomben zu lesen. Im Einsatzbericht der Feuerwehr St. Goar wird von 150 – 200 Bomben gesprochen. Der Angriff hätte für Niederburg eine Katastrophe werden können, wenn nicht die meisten Bomben außerhalb der Ortslage niedergegangen wären. Einige Bomben allerdings fielen ins Dorf und brachten Tod und Verderben. Das Haus Nr. 2 von Anton König wurde voll getroffen und dabei kamen Margarethe König („Strunge Gret“), geboren am 04.04.1891, und der 14-jährige Sohn Alfons ums Leben. Schwer verwundet wurden die Tochter Elisabeth König (geboren am 15.04.1926), der beide Beine amputiert werden mussten, und die Mutter Johanna, geboren am 25.01.1898, die ein Bein verlor. Der 8-jährige Sohn Wilfried saß vor der Tür und erlitt Verletzungen durch Bombensplitter, der 5-jährige Toni hatte ein Bein gebrochen und die Tochter Cäcilia (19 Jahre) erlitt eine Gehirnerschütterung. Außerdem wurde Vieh im Stall getötet.

Eine zweite Bombe schlug ebenfalls in der „Butschegass“ ein. Sie fiel in den Garten der Witwe Maria Baumgarten (Haus Nr. 17) und verfehlte deren Wohnhaus und das Nachbarhaus von Franz Schink nur um wenige Meter. So gab es keinen Personenschaden, die Bombe entwurzelte lediglich einen großen Kirschbaum und riss einen tiefen Krater in die weiche Gartenerde. Der Sachschaden an den Gebäuden war enorm. Total zerstört war das Haus von Anton König, schwer beschädigt die Häuser von Heinrich Becker (Nr. 3) und der Witwe Baumgarten, wo die Hälfte des Hauses eingestürzt war. Leichtere Schäden gab es am Pfarrhaus und an den Häusern von Josef Vogel und Peter Muders. Alle Fensterscheiben der umstehenden Häuser waren durch den Luftdruck zu Bruch gegangen. Durch die zahlreichen weiteren Bomben war die halbe Gemarkung von Niederburg mit Bombentrichtern übersät.

Die Feuerwehr aus St. Goar mit 30 Mann und die Feuerwehr Niederburg leisteten tatkräftige Hilfe bei der Versorgung der Verletzten und beim Aufräumen und Beseitigen der Trümmer. Auch viele Einwohner des Dorfes waren bei den Arbeiten im Einsatz.


Text: Armin Henn+ und Werner Stoffel