Der Nachtwaechter im BackesMit dem Nachtwächter und seiner Frau eine abendliche Runde durch das Dorf miterleben, dazu hatte die Niederburger Nachtwächtersippe Freunde eingeladen mitzumachen.

Bereits sieben Mal haben die „Familienmitglieder der Nachtwächtersippe“ eingeladen Niederburg von einer anderen, vielfältigeren Seite kennen zu lernen. Dabei treffen die schon etwas älteren Eheleute der Nachtwächterfamilie seltsame Gestalten, Stromer, Barden und anderes herumlungerndes Gesindel an geheimnisvollen Orten im Dorf. Doch der Nachtwächter, unterstützt von seiner noch mutigeren „Fraa, dem Getrud“, schafft es jedes Mal auch mit Hilfe der mitgehenden Freunde, in alle umwitterten Häuser, Gemäuer, Keller und Höfe einzudringen und den Besuchern die „wahren Geschichten“ näher zu bringen.

Die Besucher werden von dem älteren Nachtwächterehepaar Gertrud und Hermann (Gerda Heidelmann-Schink und Hermann Josef Klockner) vor dem Backhaus empfangen. Das Haus aus dem Jahre 1822 kann eine lange Geschichte erzählen. Das Leben der Kinder, Lehrer und Hirten, aber auch der Herumtreiber, Besenbinder und Kesselflicker gehört zu diesem Haus. Der „Schwarzphilipp“, (Rainer Scholl) ein nicht nur dem Namen nach schwarzer Geselle erklärte seine Arbeitsweise. Er hat aber auch ein hintergründiges Lied parat, dass seine Arbeit im Bezug zu einer „ehrenhaften Jungfrau“ in einem kuriosen Licht erscheinen lässt, das Pfannenflickerlied. Erstmals erscheint ein Bauer, vorbeirennend mit einem Türblatt auf dem Rücken.

Die Runde beginnt danach am Backesbrunnen, in der Weihnachtzeit begleitet vom Lehrling (Christoph Klockner). Der stimmt die Stundenstrophen zusammen mit dem alten Ehepaar an und begleitet die etwas mehr als zwanzigköpfige Gruppe. Vorbei an alten, historischen Plätzen und Häusern geht es durch den alten Wallgraben zur Kirche. Besonderheiten, wie zum Beispiel das Auslassen des Neujahrsläutens in Niederburg bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts bringen aufmerksame Zuhörer. Musikanten um Klaus König erfreuen mit adventlichen und weihnachtlichen Weisen. Eine kleine Gruppe der Rot Weiß Musikanten hat stimmungsvolle Musikstücke ausgesucht und erzeugt eine herzliche Atmosphäre.  Vorbei an dem wieder verschlossenen mittelalterlichen Brunnen geht der Weg bergan, zum Brunnenplatz vor dem Denkmal. Weg und Platz gehören zu den ältesten Anlagen des Dorfes und haben in der Historie herausragende, wechselnde Bedeutung.

Der Nachtwaechter am Winzerkeller

Ein nass geschwitzter Bauer mit seinem Türblatt trifft wieder auf die Gruppe. Der Winzerkeller und ein davor im alten Stil renoviertes Haus ziehen die Besucher in den Bann. Eine alte Frau (Katharina Menne) kriecht verfroren aus einem Schuppen und erzählt eine „wahre“ Geschichte vom „Goldklümmpche“. Im Winzerkeller können sich die Besucher bei warmen Getränken und toller Weihnachtsmusik durch die Rot Weiss Musikanten etwas erholen.

Weiter führt der Weg zu den Resten der Burgmauer und dem „Zimmerplatz“. An der Mauer wartet schon der Barde (Jörg Oppenhäuser) und singt die Moritat von den „Niederburger Rittersleut“, die, so scheint es zwar mutig, aber nicht unbarmherzig waren. Vorbei geht es am zweiten, noch bestehenden Turm der Burganlage durch eines der letzten „Peedcher“ des Dorfes. Schriftstellerin und Niederburger-Plattoriginal Gerda Heidelmann Schink hat ein Gedicht zu diesen kurzen Wegen durch das Dorf verfasst und trägt es hier vor. Den Abschluss findet der zweistündige Rundgang im warmen Niederburger Backes bei einem guten Glas Wein und Niederburger Backesbrot mit Hausmacher Wurstspezialitäten.

Der Nachtwaechter an der BurgmauerDie Nachtwächtersippe hat sich vorgenommen, die kleinen und größeren Geschichten und Erzählungen des Dorfes, die teilweise mehrere Jahrhunderte weitergegeben wurden lebendig zu halten. Das Leben in den Dörfern am Hunsrückrand soll den Besuchern näher gebracht, die ach so „gute alte Zeit“ an Hand von Beispielen weiter gegeben werden. Bisher waren alle Runden durch das Dorf binnen kurzer Zeit ausgebucht und Wartelisten waren Anlass zu Zusatzveranstaltungen. Die Sippenmitglieder haben zugesagt Überschüsse aus den Teilnahmegeldern der Kinderarbeit zur Verfügung zu stellen. So konnte der gemeinsame Kindergarten in Urbar schon mit einer kleinen Spende bedacht werden. Die Runden mit der Nachtwächtersippe haben schon viele Freunde außerhalb des Dorfes gefunden, die Begeisterung der Gäste ist spürbar und trägt sich selbst weiter. Die nächste Einladung wird besonders den Kleinsten gewidmet, eine Kinderführung wird geplant.

Die Sippenmitglieder bieten weitere Runden im kommenden Frühjahr und in der Weihnachtszeit, immer mit frischen Ideen und bewährten Erzählungen und „Stickelscher aus vergangener Zeit“, an.

Fotos: Cristina Caballero-Sola

Hermann Josef Klockner, Ortsbürgermeister