FörsterLohbachDieser Tage werden die Unterlagen des leider zu früh verstorbenen Armin Henn noch einmal näher gesichtet. Armin Henn war ein ausgewiesener Kenner und Fachmann heimischer Geschichte und hatte sich auch als „Niederburger Geschichteschreiber“ für die Herausgabe der Ortschronik, zusammen mit Werner Stoffel aus Oppenhausen, mehrere Jahre durch Archive und alte Unterlagen gekämpft. Hier ein „Fundstück“, das der näheren Betrachtung bedarf:

In einem Rheinischen Druckwerk aus Coblenz gibt am 4. Februar 1832 der Prokurator „von Olfers“ aus Boppard eine Anzeige mit einer Vermisstenmeldung auf. Gesucht wird der Förster Johann Merkel geboren in Boppard, der seinen Dienst als Gemeindeförster im Niederburger Wald versieht. Die Personenbeschreibung ist sehr detailliert, ebenso die beim Verschwinden getragene Kleidung. Förster Merkel war 35 Jahre alt und von kräftiger Statur, hatte schwarzes Haar und trug einen Backenbart. Braune Augen und ein gesundes Gebiss sowie der Hinweis auf eine gebogene spitze Nase und ein ebensolches Kinn fehlen nicht. Die Wangen waren pockennarbig, aber von gesunder Farbe. Die Details der Kleidungsstücke einschließlich der Kopfbedeckung sind sehr genau, heute noch könnte man anhand der Beschreibung eine Kopie fertigen.Der Prokurator weißt alle staatlichen Stellen links- und rechtsrheinisch an, eventuell geländete Leichen auf die genannten Merkmale zu untersuchen und gefundene Kleidungsstücke und andere Sachen der Polizei mitzuteilen.

Heute lässt sich die Frage nicht mehr mit Bestimmtheit klären, ob die Sage von dem „Förster ohne Kopf vom Lohbach“ hier ihren Ursprung hat. Aber ein Beweis um das Verschwinden eines Försters ist mit dem Fund des Zeitungssauschnittes geliefert. Hier noch einmal die Geschichte des Försters, wie man sich diese in Niederburg und der Umgebung seit langer Zeit erzählt:

Die Zeiten waren arm, die Wege  waren weit. Manche Lebensmittel oder Güter des täglichen Gebrauchs mussten vor der Obrigkeit versteckt werden, mancher Transport zu Fuß oder mit Ochsenkarren wurde des Nachts oder in der Dämmerung erledigt. So war der Weg vom Rheintal bei Oberwesel auf die Höhe in Richtung Badenhard, Karbach und Halsenbach über Niederburg und das Tal des Niederbachs zu nehmen. An der heutigen Cunobrücke teilte sich der Weg, rechter Hand nach Badenhard und gerade aus nach Birkheim und von dort über Pfalzfeld nach Kastellaun.

Der Weg führt dann in den dunklen Wald an den Lohbach, der durch ein eng geschnittenes Tal seinen Weg in den Niederbach suchte. Hier trieb besagter Förster sein Unwesen.Frauen trugen auf dem Kopf geschützt durch den Kitschel, dem mit Stroh gefüllten Kopfschutz, Körbe mit Lebensmitteln oder Handelsgütern. Dieser mehr als garstige Mensch machte sich einen Spaß daraus, Frauen den Korb vom Kopf zu stoßen und danach hämisch lachend die verzweifelten, ängstlichen Frauen zu verspotten. Er gab vor, nach Gütern des Waldes zu suchen. Mit einem spritzigen, leichten Pferdchen kam er aus seinem Versteck angeritten und trat mit einem flinken Fußtritt gegen den Korb, so dass der Inhalt im hohen Bogen auf den Weg und in den Wald flog. Doch, wie immer wenn hinterlistige, hochnäsige Menschen ihr Spiel übertreiben, findet dieses Spiel ein jähes Ende.

Der Förster hatte wieder eines guten Tages mit seinem Pferdchen seinen Dienst erledigt und wartete in einem Versteck auf eine vorbeikommende Frau. Die vermeintliche Frau trug einen Korb auf ihrem Kopf und war schwerfällig und müde unterwegs. Gerade in der Nähe des Lohbaches spornte der Förster sei Pferd an um wieder sein erbärmliches Spiel zu treiben und die Frau mit seinen Schikanen zu quälen.

Er galoppierte heran und wollte mit einem flinken Tritt wieder den Korb im hohen Bogen wegtreten. Doch diesmal flog der Korb wie von selbst durch die Luft. Der Förster wusste nicht wie ihm geschah, die Person griff nach seinem noch ausgestreckten Bein und riss den Förster mit einem jähen Ruck aus dem Sattel. Nicht nur der Korb, jetzt lag auch der Förster, diesmal mit verdutztem Gesicht, auf dem Waldweg. Das Pferdchen suchte erschrocken das Weite.Aus dem Gebüsch sprangen flink junge Burschen und packten den gehassten Förster. Die Frau war ein verkleideter junger Bursche, der sich nun, zusammen mit seinen Kumpanen, auf den am Boden Liegenden stürzte. Bei dieser wilden Rauferei muss der Förster seinen Kopf verloren haben. Man glaubte nun hätte man Ruhe vor diesem bösen Menschen.

Doch der Quälgeist fand auch im Anschluss seine Opfer. In der Dämmerung, so glaubten die durch den dunklen Wald gehenden Frauen, setze sich der Förster ohne Kopf am Lohbach als Strafe für seinen gewaltsamen Tod in die Körbe auf ihren Köpfen und machte die Last unerträglich. Manche Frau hatte nach einem solchen Schreckensmarsch durch die dichten Wälder in der Höhe des Lohbaches nicht mehr die Kraft alleine durch dunkle Wälder zu gehen.

Das Fazit, dass die geliebte Großmutter des Unterzeichners zog war dieses: Jede List wird zum Verhängnis, geh ehrlich und gerade durch das Leben. Diese und mehrere gruselige Sagen und Geschichten gibt es zu hören bei den Führungen mit der Nachtwächtersippe und demnächst zu lesen in der Dorfchronik.

 

Hermann Josef Klockner, Ortsbürgermeister