Kindernachtwächtertour1

Die Niederburger Nachtwächtersippe hatte sich in der ausgehenden Winterzeit eine spezielle Führung durch das Dorf von und mit Kindern zur Aufgabe gemacht. Eingeladen waren Kinder ab dem 4-5. Lebensjahr mitzumachen um dabei zu sein und in eine vergangene und auch für Kinder beschwerliche Zeit einzutauchen. Nicht einfach ist eine solche Programmauswahl, wenn alle Kinder in den Entwicklungsstufen bis zum 12. Lebensjahr eingebunden sein sollen. Die bisher größte Gruppe von fast 50 Personen, 24 Kinder und eine große Zahl Eltern und zusätzlich Opas und Omas wollten auch mit dabei sein, waren mit dabei bei der abendlichen Runde. Zusammen mit den Akteuren zog ein regelrechter Rattenschwanz hinter dem Nachtwächter, seiner „Fraa“ und dem Lehrling her. Treffpunkt war wieder der alte Niederburger Backes, der, wenn er denn könnte, ein regelrechtes Erzählfeuerwerk loslassen würde. Der „Schwarz-Phillip“ wartete schon zusammen mit dem Barden in einer dunklen Ecke auf die nächtlichen Besucher. Weiter ging es entlang des ehemaligen Wallgrabens der Niederburg bis zur Kirche. Wie Kinder schon früh in das Arbeitsleben im Dorf eingebunden waren, zeigte der Esskesselträger am ehemaligen West Tor des Dorfes. Die aufgegebene alte Schule an der Kirche und die Kirche selbst waren weitere Punkte, bei denen es viel zu erzählen gab. Kinder stellten die Schulkinder und deren Schulweg der Zeit vor fast 200 Jahren dar. In der Kirche warteten Musiker der Gruppe Tandaradei auf die Nachtwanderer. Harmonische Klänge aus längst vergangener Zeit begeisterten Kinder und Erwachsene. Mucksmäuschenstill wurde es im ehrwürdigen Gotteshaus. Weiter führte der Weg bergan an den ältesten Teil des Dorfes und den Bekanntmachungsplatz am unteren Dorfbrunnen. Da trifft man unterwegs zum zweiten Mal einen Bauern außer Atem mit einer echten Haustür auf dem Rücken. Was den wohl umtreibt? Am Mitteldorfbrunnen traf die Gruppe auf eine Mutter mit ihrer Tochter, die zum Wasserholen und Viehheimtreiben unterwegs waren. Die Zeit ohne elektrisches Licht und ohne Wasserleitung in die Häuser wurde erklärt. Die Musikanten luden zu einem flotten Tänzchen ein und die junge Tänzerschaar hatte viel Spaß bei bewegten Schritten zum Tanze. Die Arbeit der Winzer und die Aufgaben der Kinder bei der Pflege der Weinberge wurden von Vater und Sohn am Aufgang zum Winzerkeller dargestellt. Der Winzerkeller und das wunderschon im alten Stil renovierte Haus der Familie Kremer am Eingang des Kellers sind regelmäßig Höhepunkte der Rundreise und gleichzeitig Rastpunkt. Dass sich dort verwegene Gestalten und eine alte Frau herumtreiben, wissen die Kenner schon vom Hörensagen. Musikanten von Tandaradei waren es wieder, die mit Trinkliedern und Tänzen aufwarteten und frohe Mittänzer fanden. Der Weg führt bei Dunkelheit und Kerzenlicht zum Zimmerplatz und der Burgmauer. Dort wartete schon der Barde mit handgemachter Musik und hintergründigen Texten zu den alten (und jungen) Niederburgern. Der Platz war eingetaucht in Fackelschein und Kerzenlicht, sowohl Kinder als auch die begleitenden Erwachsenen lauschten den Versen des Sängers zum Klang der Laute. Kindernachtwächtertour

Vorbei am Dorfkreuz, dem Westturm der Niederburg geht der Weg durch eins der „Päädcher“ über den westlichen Teil des Wallgrabens zurück zum Backhaus. Das Tanzbein konnten die Kinder wieder zu Klängen der Flöten und der Laute der Musiker schwingen. Die Titelmelodie von „Pippi Langstrumpf“ fand so tollen Anklang, dass die Kleinsten eine Zugabe forderten und sie diese auch erhielten. Das Backhaus war Endpunkt der Rundreise durch das Dorf und die Geschichte. Hier waren alle Teilnehmer der Wanderung eingeladen zu einem Umtrunk. Neben Hausmacher Spezialitäten und Niederburger Backesbrot wurden diesmal zur Freude der Kinder von Rainer Scholl gebackene Osterkränze und von Bernhard Klockner auf einem Waffelofen gebackene Waffeln geboten. Kinder und Erwachsene ließen es sich ausgiebig schmecken und konnten das Erlebte noch einmal vertiefen.

Auch im Backhaus, fast drei Stunden nach Beginn der Rundreise, tanzten die mitreisenden Kinder noch zu den Tanzliedern der Musikanten. Die Kinder waren es, die eine weitere Zugabe forderten und auch erhielten. Es war später Abend geworden, mancher Erwachsene war nach getaner Arbeit und Rundgang müde, die Kinder jedoch waren lebhaft wie zu Beginn dabei.

Der abendliche Rundgang mit Kindern war ein Versuch, gerade des jüngeren Alters die Lebensweise vergangener Zeiten näher zu bringen oder bei den Kleineren das Interesse hieran zu wecken. Die Nachtwächtersippe und der Niederburger Heimatverein bedanken sich bei allen Gästen und ganz besonders bei den Musikanten der Gruppe Tandaradei. Die Nachtwächtersippe macht jetzt eine Pause und meldet sich wieder, wenn ein weiterer Rundgang angesagt ist.

Hermann Josef Klockner, Nachtwächter & Ortbürgermeister