Mord in Niederburg…..vor 161 Jahren. Die „gute, alte Zeit“, nicht immer hat sie diesen Namen verdient. Im Spätsommer des vergangenen Jahres meldete sich Walter Mallmann, ehemaliger Bürgermeister, rühriger Buchautor und Heimatforscher in St. Goar aus einem Bonner Archiv. Er überraschte mit dem Hinweis auf einen gefundenen Presseartikel im Rheinischen Merkur des Jahres 1855, dessen Inhalt wir hier weitergeben:

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Aus dem Kreise St. Goar 27. Februar 1855

Am Fastnachts-Montage wurde in dem Dorfe Niederburg, so zu sagen bei versammelter Gemeinde, ein Bauer aus dem Dorfe totgestochen. Die Gemeinde hatte sich versammelt, um in altherkömmlicher Weise eine volksthümliche Ersparnis gemeinsam zu verzehren. Plötzlich wurde das Licht ausgeblasen, es entsteht ein Tumult, und in der Dunkelheit war dem Manne der Unterleib aufgeschlitzt worden, so dass er bald hernach an der gräßlichen Wunde gestorben ist. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass es sich hier um einen Mord mit kaltem Vorbedacht handelt. Die eigentlichen Thäter, deren höchstwahrscheinlich zwei sind, konnten bis dahin noch nicht ermittelt werden; jedoch hat die Voruntersuchung zwei der That verdächtige Individuen inhaftieren lassen. Als Motive des Mordes wir der Handwerkerneid angeführt. Auch wurde mir erzählt, dass neulich eine unbarmherzige Mutter von hier ihr Stiefkind aus dem Hause fortgejagt habe und sei nun dieses arme Geschöpf auf dem Wege zu Verwandten ins Nassauische in dem tiefen Schnee stecken geblieben und elendiglich erfroren. – In dem Dorfe Braunshorn hat sich ein schon bejahrter Mann aus mir nicht bekannten Ursachen erhängt.
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Eine der Geschichten, von denen man sich in früheren Zeiten in Niederburg immer wieder erzählt hat, aber keine Belege hierfür vorlagen. Unsere Chronikschreiber Armin Henn und Werner Stoffel haben viel unentdeckte Unterlagen gefunden und die Auswertungen zu Papier gebracht. Dazu kommen immer wieder Zufallsfunde, wie hier der von Walter Mallmann, die mit zur Vervollständigung von Forschungen beitragen. Zusammengefasst werden diese Fundstücke in der Dorfchronik, die kurz vor der Fertigstellung ist. Mittlerweile konnten die Sterbeurkunde aufgefunden und andere Lebensdaten des Ermordeten mit Hilfe der Standesamtsunterlagen vervollständigt werden.

Hermann Josef Klockner, Ortsbürgermeister