dastobi generalprobe 2016 0217Die Niederburger Theatergruppe DASTOBI hatte zu Theaterabenden der besonderen Art eingeladen. Mit der Auswahl des Stückes Hexenjagd von Arthur Miller hatten die Verantwortlichen einen besonders harten „Brocken“ mit schwer verdaulichem Inhalt ausgesucht. Fünf Vorstellungen waren bis auf wenige Plätze alle schnell ausverkauft. Die Qualität des Ensembles und das „Drumherum“ haben bisher immer begeisterte Theaterfreunde gefunden, die immer wieder gerne die Vorstellungen der Gruppe besuchen.

Das Stück schildert Begebenheiten, die sich nicht nur in Amerika im puritanisch geprägten Salem/ Massachusetts zutrugen. Auch im alten Europa war diese Art der Züchtigung des gemeinen Volkes an der Tagesordnung. Glaubensgrundsätze wurden kreiert und den Menschen als Lebensregeln auferlegt. Eine Kombination religiöser Regeln, die gerne mit politischen Regeln verbunden wurden sollte das Volk disziplinieren und Gemeinschaften stärken. Wenn dann junge Menschen einmal „über die Stränge schlagen“ und das noch mit seltsamen Verhaltensweisen einhergeht ist die Verbindung zum „Teufelswerk“ schnell hergestellt. Genauso schnell wie die vermeintliche Diagnose kommt es zum Ruf nach strengen Strafen und Maßregelungen, die Angst und Schrecken verbreiten. Ein jeder versucht die eigene Haut zu retten und beschuldigt immer mehr unliebsame Menschen der Hexerei. In der Folge werden diese Beschuldigten verhaftet, gefoltert bis zum Tod oder erhängt. Makaber die Strichliste der Hinrichtungen, einem Massentötungswerk mit System, für das als Rechtfertigung der Glaube und der liebe Gott herhalten müssen. Falsche Geständnisse um die eigene Haut oder das Schicksal der Familie zu retten werden erzwungen abgelegt. Massenhysterien werden ausgelöst.

Mitgenommen haben die Puritaner diese Art der Disziplinierung aus dem alten Europa, die im 15. Jahrhundert besonders im Dreißigjährigen Krieg Höhepunkte im heimischen Raum fand. Im Rheinland wurden tausende Opfer dieser Verfolgung und der Machtspiele der religiösen und weltlichen Mächte.

Das Spiel ist eine Anhäufung von Spannungen, die den Betrachter miterleben lassen, wie sich die Menschen gefühlt haben müssen. Permanent ist die Angst fühlbar, werden schwache Menschen zu Denunzianten und selbst starke Persönlichkeiten müssen Hysterie und Verfolgung fürchten.

Mit der Auswahl des Stückes haben sich die Verantwortlichen der Gruppe in äußerst schweres Terrain gewagt. Wer einen vergnügten Theaterabend erwartete musste mit seinem aufgewühlten Seelenleben klar kommen. Die Verbindungen zu derzeit ablaufenden Geschehnissen in Europa und der weiten Welt werden überdeutlich dargestellt.  Die Verknüpfungen politischer Macht mit Religionen sind Auslöser von Verfolgungen, Hysterie, Massenwahn und Denunziation. Wem hier die direkte Verbindung zur Jetztzeit entgeht lebt in einer Scheinwelt. Verstärkt werden die genannten Erscheinungen heute durch soziale Netzwerke und allgegenwärtige, sensationslüsterne Medien. Die willkürlichen Terroranschläge unserer Zeit sprechen eine eigene Sprache.

Als schauspielerische Ausnahmeleistung muss auch der kritischste Zuschauer die Darstellung der Charaktere bescheinigen. Selten haben bei Amateurbesetzungen die darzustellenden Personen und die Leistung der Akteure so gut zusammen gepasst. Eine außergewöhnliche Begabung hat die Chefin der Gruppe bei der Zuordnung auf die zur Verfügung stehenden Schauspieler wieder einmal belegt. Die Akteure sind in den Letzten 18 Jahren zu vielfältig einsetzbaren Darstellern geworden. Marlene Lenz und der Gruppe ist wieder eine beachtenswerte Leistung gelungen. Nur selten wagen sich Laientheater an solche gefühlsgeladenen Stücke. Viele Zuschauer verließen beeindruckt und nachdenklich nach mehr als dreistündiger Spielzeit das Generationenhaus in Niederburg. Die schauspielerische Leistung, die perfekte Technik, Bühnenbau, Maske, Kleidung und die Versorgung des Publikums, alles aus der Gruppe heraus organisiert und geleistet, verdient besonderes Lob. Freuen können sich die Besucher auf wiederkommende Theatertage in Niederburg im Jahr 2018.

Hermann Josef Klockner, Ortsbürgermeister


Einige Impressionen von der Generalprobe 
(c) by Cristina Caballero