Historie heute

Wie vielerorts begann nach dem Krieg ein stetiger wirtschaftlicher Aufbau. Landwirtschaft und Weinbau erlebten mit der einsetzenden Technisierung einen beachtlichen Aufschwung, der jedoch nicht lange anhielt. Ein Großteil der Kleinstlandwirte suchte sich besser bezahlte Nebenerwerbstätigkeiten und war Landwirt sowie Winzer erst nach Feierabend. Die nächste Generation ergriff sofort Berufe und nahm die beschwerlichen landwirtschaftlichen Arbeiten erst gar nicht mehr auf. Dass unsere Fluren nicht versteppen, ist einer kleinen Anzahl von Idealisten zu verdanken, die der Landbebauung noch Geschmack abgewinnen und mit Hilfe ihrer starken Landmaschinen die zu größeren Flächen zusammengelegten Felder bewirtschaften. Die Weiden, auf denen man wegen der Hanglage heute kein Heu mehr erntet, werden von Rindern, Pferden und Schafen abgegrast.

fachwerkhaus2Einem glücklichen Umstand verdanken wir es, dass unser im ehemaligen Schulhaus integriertes Backhaus nicht abgerissen wurde und bis auf den heutigen Tag intakt ist und genutzt wird. Das auf den Feldern geerntete Getreide wird in der Philipps-Mühle in St. Goar gemahlen und im Niederburger Steinofen zu köstlichem Brot gebacken. Der Heimatverein sorgte dafür, dass die alten Substanzen des Backhauses liebevoll restauriert wurden. Er veranstaltet einmal im Jahr ein Backesfest, an dem die kulinarischen Köstlichkeiten der Altvorderen allen Bewohnern und Gästen angeboten werden.

Von der allgemeinen Schließung der Lebensmittelläden in den Dörfern wurde auch Niederburg betroffen. Doch Not macht erfinderisch. Im ehemaligen Volksbankgebäude entstand ein ansprechendes Lädchen, das jeden Morgen frische Brötchen, Brot und allerlei Notwendiges bereithält und eine kleine zwischenmenschliche Begegnung, sprich Schwätzchen, zu früher Stunde ermöglicht.

Der Weinbau, einst so wichtig wie die Landwirtschaft, hatte keine Überlebenschance in unserer Gemeinde. Mit dem 100. Geburtstag der aus Niederburg hervorgegangenen Rheingold-Kellerei rodete auch der letzte Winzer seine Rebstöcke im Jahr 2000 aus. Der große Gewölbekeller ging in private Hand über. Allerdings werden einige ehemalige Niederburger Rebflächen von Oberweseler Winzern bewirtschaftet. Dass es nach wie vor einen guten Tropfen zu verkosten gibt, dafür ist Sorge getragen.